Robinson-Feeling, South Molle Island & Whitehaven Beach
Hallo zusammen!
„Räge, Räge, Tröpfli, es rägnet uf mis Chöpfli...“ Juhee, nach 3 Wochen Sonnenschein haben wir uns heute über den Regen gefreut!
Über die letzten paar Tage gibt es wieder viel zu erzählen, deshalb wir dieser Eintrag ein bisschen länger ausfallen.
Am vergangenen Dienstag haben wir uns auf dem Camping-Platz am Pool gesonnt, gelesen, sind geschwommen und haben viel geredet. Nach einem kleinen Mittagessen und als die Sonne nicht mehr allzu stark vom Himmel gebrannt hat, sind wir ins Zentrum von „Airlie Beach“ gefahren.
Lukas wollte vor dem Ausflug in die „Whitsunday Islands“ noch seine Haare schneiden lassen. Und so haben wir einen Coiffeur aufgesucht. In einem kleinen, aber sehr modernen „Barber-Shop“ (englischer Ausdruck für Männer-Coiffeur) hatte die Lady sofort Zeit und bot ihm einen Haarschnitt für unschlagbare AUS 20 an, also ca. CHF 15.–! Und die Lady war sehr zackig! Vielleicht sogar ein wenig zu zackig - Lukas’ Gesichtsausdruck fand ich zumindest sehr amüsant...
Am späteren Nachmittag haben wir unsere freie Zeit genossen und in der Lagune in „Airlie Beach“ gebadet und uns am Ufer gesonnt.
Am Mittwoch, 28.10.2015 war es endlich soweit: Der 3-tägige Ausflug zu den „Whitsunday Islands“ stand an. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge verabschiedeten wir uns von „Campi“ unserem treuen Begleiter, der die nächsten 2 Nächte ganz alleine auf dem Camping-Platz verbringen wird. Mit dem Bus fuhren wir anschliessend ins Zentrum von „Airlie Beach“.
Die Reiseagentur „Greyhound / Wicked Travel“ und die Broschüre des Veranstalters haben den Ausflug als sehr vielversprechend angepriesen. Wir haben uns für den Ausflug entschieden, weil wir die 2 Nächte nicht auf dem Katamaran verbringen wollten. Wie ihr sicherlich bereits gelesen habt, wird uns bei grobem Wellengang immer ganz übel... Der Preis, eine stattliche Summe von insgesamt AUS 998.– (CHF 700.–), dachten wir, sei sicherlich eine genügend hohe Summe für eine anständige Unterkunft...
Der erste Eindruck des Reise-Veranstalters „Koala Adventures“ war im Eimer, als wir in der brütenden Sonne mit einer halben Stunde Verspätung mit dem Car an der Bushaltestelle im Zentrum von „Airlie Beach“ abgeholt wurden. Literweise Alkohol haben die rund 60 gleichaltrigen mit sich geschleppt. Naja, wenn das nicht eine heitere Angelegenheit wird. Die kurze Car-Fahrt bis „Shute Harbour“ war locker und doch irgendwie beklemmend... Wie werden wohl die nächsten Tage ausfallen und auf was haben wir uns hier eigentlich eingelassen? Die „Pride of Airlie“, ein Katamaran, der seine besten Tage schon hinter sich hat, wartete im ruhigen Wasser auf seine nächsten Gäste.
Es ist kurz vor 3 Uhr Nachmittags, die Sonne brennend heiss, kein Wind weht und auch kein Anschein tut sich, dass die „Pride of Airlie“ bald den Hafen verlassen wird. Zum x-ten Mal cremten wir uns mit Sonnencrème ein und hofften, dass wir uns nicht einen Sonnenbrand holen, denn Schatten konnte man auf dem Katamaran glatt vergessen. (Genau, falls jemand unser Sponsor für Sonnencrème sein möchte: unser Verbrauch liegt bei 400 Gramm die Woche.)
Die Stimmung auf der „Pride of Airlie“ war heiter, als wir in die See gestochen sind. Der Alkohol floss und die Musik war laut und wir haben die Überfahrt so ganz nüchtern und irgendwie anders als die anderen genossen.
Es gibt bei Reisenden sehr viele Unterschiede, haben wir festgestellt... Die meisten in unserem Alter wollten den Abend (und teils auch den gesamten Tag) mit viel (sehr viel) Alkohol verbringen und haben sich mehr für eine Bungalow-Home-Party als für Flora und Fauna und die wundervollen Vögel der Insel interessiert. Schade eigentlich für das viele Geld...
Kennt ihr die Filme „Die Insel“, „Das Missen-Massaker“, oder die Serie „Lost“? Ja, alle spielen auf einer einsamen und verlassenen Insel und die Geschichten gingen meist nicht allzu gut aus. Unser Gefühl bei der Ankunft auf der Insel war ziemlich mulmig. Die Unterkunft sah vom weiten sehr vielversprechend und relativ gross und ziemlich pompös aus! „Adventure Island Resort“ auf „South Molle Island“ hat 200 Zimmer und kann bis zu 600 Personen unterbringen, nur leider hat die Anlage nach vier Zyklonen ihre beste Zeit ebenfalls hinter sich. Die gesamte Anlage sieht sehr mitgenommen und verbraucht aus – die harten Party-Nächte haben ihre Spuren hinterlassen.
Als wir den Pier entlang gelaufen sind, haben wir einen wunderschönen Fisch entdeckt. Das Wasser war so klar, dass man ihn mit der Kamera von oben fotografieren konnte!
Insgeheim hofften wir, dass wir zumindest im selben Schlag sind, als uns die Crew der Insel in Zimmer-Gruppen eingeteilt hat. Und siehe da, wir zwei wurden als erstes aufgerufen und durften einchecken. Wir dachten, dass wir unser (sehr heruntergekommenes und nicht ganz sauberes) Bungalow für uns alleine haben. Doch die Freude hielt nur für ein paar Minuten, als zwei Schweden das Bungalow betraten und in englisch verkündeten, dass sie das Zimmer mit uns teilen werden. Es stellte sich heraus, dass sie sehr gute Freunde sind und wir das Doppelbett für uns haben konnten und sie es sich stattdessen auf dem Kajüten-Bett gemütlich machen.
Nach der Vernichtung einer Kakerlake und der Sichtung eines Geckos in unserem Zimmer hatten wir mehr oder weniger ein gutes Gefühl (ja viel schlimmer konnte es eigentlich gar nicht mehr kommen, an Spinnen sind wir ja bereits gewöhnt).
Es gleicht einer Folterung, wenn man mehr als eine Stunde vom Wasser umgeben ist und einfach nicht hineinspringen darf. Umso mehr haben wir im Pool der Anlage die wohlverdiente Abkühlung genossen.
Und dann der Schock: Als ich in die Dusche stieg und das Wasser aufgedreht habe, tröpfelte es nur so vor sich hin. Egal wie weit ich aufgeschraubt habe, es blieb bei ein paar Tropfen in der Minute... MIST! Wie um Himmels Willen soll ich meinen Körper geschweige denn meine Haare waschen?! Ich hab mir den Bikini wieder angezogen und anschliessend sind wir schnurstracks zur Rezeption gelaufen. Natürlich war diese nicht besetzt und absolut niemand der Crew war in Sicht... Zu meiner Ernüchterung stellten wir später fest, dass es alle Bungalows betraf, als plötzlich mehrere Frauen völlig entsetzt durch die Gegend eilten. DAS fängt ja gut an... Kurz vor dem Nachtessen war das Leck dann behoben und wir konnten glücklicherweise doch noch duschen.
Um 7 Uhr gab’s leckere Spaghetti Bolognese und die Stimmung war sehr ausgelassen. Wir haben unsere Reise-Erlebnisse ausgetauscht und mit Menschen aus aller Welt geredet. Schon bald sind wir aber ins Bungalow zurückgekehrt und konnten sehr gut einschlafen.
Nach mehreren Malen aufwachen in der Nacht, als die Schweden ein wenig angeheitert ins Bungalow zurückkehrten und das eine oder andere fallen liessen, hat unser Wecker bereits um 6.40 Uhr in der Früh geklingelt. Das Programm auf „South Molle Island“ war ziemlich dicht: Um 7 Uhr gab’s Frühstück und um 8.15 Uhr sind wir (mit einer kleinen Verspätung) mit der „Pride of Airlie“ in die See gestochen.
Die Besichtigung des weltberühmten „Whitehaven Beach“ (dt. Weisser Hafen Strand) stand auf dem Programm. Die Fahrt dorthin dauerte sagenhafte 3,5 Stunden! Und wieder war die Sonne nicht zu toppen – heiss, trocken... Wie ich euch bereits erklärt habe, besteht dieser Strand aus 98,9% Quarz und gilt als einer der weissesten Strände überhaupt. Der Sand ist so fein, dass es unter den Füssen knirscht, gerade so, als würde man über Schnee laufen. Es sei sehr gesund, wenn man sich am ganzen Körper damit einreibt, da es die alten Hautpartikel löst und die Haut reinigt. Und so haben wir das natürlich auch ausprobiert...
Da der Sand so hell ist, ist es eine sehr heimtückische Angelegenheit sich einen Sonnenbrand zu holen. Er wiederspiegelt das Sonnenlicht und lässt einem erbarmungslos schmoren. Nach einem halbstündigen Aufenthalt am „Whitehaven Beach“ haben wir uns entschlossen zur „Pride of Airlie“ zurückzuschwimmen.
Anschliessend fuhren wir weitere 1,5 Stunden zu einer anderen Insel. Der Snack auf dem Boot war speziell (komisches Fleisch, Salat ohne Sauce, scharfer Pasta-Salat und Toastbrot mit Erdnussbutter), aber sättigte unseren grossen Hunger. Auf der Insel hatten wir die Gelegenheit zu schnorcheln. Leider sind wir seit unserem ersten Tauchgang am „Great Barrier Reef“ ein wenig zu verwöhnt.. Zu sehen gab es nichts Spektakuläres und die Sicht war trüb.
Die Rückfahrt auf „South Molle Island betrug nochmals 2,5 Stunden und als wir endlich wieder Land unter den Füssen hatten, waren wir fix und fertig. So ein ganzer Tag auf einem Katamaran nimmt einen ganz schön mit!
Wir freuten uns beide auf die Dusche (die dieses Mal problemlos funktionierte) und das Nachtessen. Es gab ein wirklich leckeres rotes Curry mit Reis. Wir erfreuten uns über die ausländischen sehr angeheiterten Karaoke-Künste und genossen ein kühles Bier, bevor wir schlafen gingen.
Am nächsten Morgen war wiederum um 7 Uhr Zeit fürs Frühstück. Der anschliessende „Bush Walk“ (dt. Wald-Wanderung) liess uns bereits um morgens um 8 Uhr aus allen Poren schwitzen! Es war erdrückend heiss und trocken, aber die Wanderung hat sich sehr gelohnt und die Aussicht war atemberaubend....
Bei der Wanderung zurück in die Unterkunft haben wir grüne Ameisen gesehen. Ich weiss nicht, ob wir euch schon davon erzählt haben, aber diese gelten hier als „Bush-Food“, also Essen, welches die Aborigines zu sich nehmen. Nur der hintere, grüne Teil ist essbar und schmeckt sauer.
Als letzte Aktivität vor dem Mittagessen und der Rückfahrt nach „Airlie Beach“ war das Öffnen einer frischen Kokosnuss. Eine nicht ganz einfache Angelegenheit, wie wir feststellen mussten, aber keineswegs eine unlösbare Aufgabe. Es ist schön zu wissen, dass wir uns jetzt wenigstens mit Kokosnüssen ernähren könnten, sollten wir je einmal auf einer einsamen Insel landen. Nachdem alle anderen den Platz verlassen haben, kamen die Vögel und Papageien, welche genau wussten, dass die offenen Kokosnüsse dort auf sie warten. Und so hatten wir die Gelegenheit die wunderschönen wilden Papageien zu füttern und fotografieren. Ein Moment, so ganz für uns...
Und wie es so ist, auch ein Ort, der uns zuerst nicht so gefallen hat, verliessen wir mit ein wenig Fernweh. Mit dem Wissen, dass wir so schnell nicht wieder auf „South Molle Island“ sein werden und der brütenden Sonne verliessen wir die Insel und fuhren zurück ans Festland.
Wir haben noch 2, 3 Dinge eingekauft und den gemeinsamen Abend im „Campi“ verbracht, den wir insgeheim die ganze Zeit über vermisst haben. Wie heisst es doch so schön beim Campen: „Frei sii und s’Dihei debii“ – und so ist es nun mal.
Bis am 3. November bleiben wir noch hier auf dem Camping-Platz, bevor wir weiter in den Süden reisen.
Schöns Weekend & „Happy Halloween“, welches hier gross gefeiert wird!
Laura & Lukas – eure Trävelbörds
![trävel[börds]](https://c917ac3c09.cbaul-cdnwnd.com/0f9c0dace34d92b23eb4d15de68c6962/200000012-6d50f6e4e2/lauraH_ok.jpg)